Wie hier bereits beschrieben, hat ZenDiS vor Kurzem das Partnerprogramm für openDesk gestartet. Insgesamt gibt es vier Partnerstufen, die sich an unterschiedliche Geschäftsmodelle richten: Distributoren bauen Partnernetzwerke auf, Service Provider betreiben openDesk als Cloudservice, Systemintegratoren übernehmen Beratung, Integration und Betrieb und Reseller vertreiben eigene Angebote auf Basis von openDesk.
Ein Blick auf die Anforderungen zeigt schnell: Wer gehofft hat, openDesk mal eben ins Portfolio aufzunehmen, dürfte insbesondere bei den beiden Approved-Stufen recht schnell ins Grübeln kommen.
Official Distributor
Der Official Distributor bildet das Bindeglied zwischen ZenDiS, den Komponentenherstellern und dem Partnernetz. Er stellt openDesk-Bundles und Subskriptionen bereit, vertreibt diese über IT-Partner und betreut die Reseller. Gegenüber Endkunden tritt er in dieser Rolle grundsätzlich nicht selbst auf.
Anforderungen
Schon die Anforderungen an einen Official Distributor machen deutlich, dass ZenDiS hier nicht nach einem einfachen Vertriebspartner sucht. Erwartet werden ein belastbares Partnernetzwerk, nachweisbare Open-Source-Erfahrung und eine professionell aufgestellte Organisation. Dazu gehören unter anderem:
- mindestens drei bestehende oder in den vergangenen fünf Jahren abgeschlossene Vertragsbeziehungen mit Open-Source-Herstellern,
- ein vorhandenes Partnernetz aus Managed Service Providern und/oder Cloud Service Providern,
- lokale Niederlassungen in mindestens zehn europäischen Ländern,
- mindestens fünf technische Consultants mit Open-Source-Erfahrung,
- ein Hauptsitz in der EU oder im EWR,
- DSGVO-konforme Prozesse sowie dokumentierte Abläufe für Partnermanagement, Abrechnung und Support,
- eine Betriebs- oder Berufshaftpflichtversicherung mit mindestens einer Million Euro Deckung je Versicherungsfall.
Zusätzlich zum Zulassungsantrag müssen Referenzen, eine Beschreibung des Unternehmens und des Partnernetzes sowie gegebenenfalls Angaben zu eingesetzten Subunternehmern eingereicht werden. Die Konditionen stehen in einer vertraulichen Preisliste, die erst nach erfolgreicher Prüfung zur Verfügung gestellt wird.
Approved Sovereign Service Provider
Der Approved Sovereign Service Provider, kurz ASSP, bietet openDesk als SaaS aus eigenen Rechenzentren in Deutschland oder einem anderen EWR-Staat an. Im Mittelpunkt stehen ein souveräner Cloudbetrieb sowie hohe Sicherheits-, Qualitäts- und Verfügbarkeitsstandards.
Anforderungen
Die Anforderungen lesen sich eher wie die Checkliste für einen etablierten Cloudanbieter als für einen klassischen Hosting-Provider. Nachzuweisen sind unter anderem:
- ISO/IEC 20000-1 für das IT-Service-Management,
- „CNCF Certified Kubernetes – Hosted“,
- mindestens fünf openDesk-Betriebsprojekte oder vergleichbare Referenzerfahrung,
- ISO/IEC 27001 auf Basis IT-Grundschutz sowie NIS2-Compliance,
- ISO/IEC 27017 und ein aktueller BSI-C5-Typ-2-Prüfbericht oder ein vergleichbarer Nachweis,
- Erfüllung des SEAL-3-Niveaus im European Cloud Sovereignty Framework,
- ISO 9001 oder ein gleichwertiges Qualitätsmanagementsystem,
- mindestens 99,9 Prozent Plattformverfügbarkeit im Monatsmittel,
- deutschsprachiger 9×5-Support und eine 24×7-Bereitschaft für geschäftskritische Dienste,
- DSGVO-konforme Datenverarbeitung ausschließlich im EWR oder in der Schweiz,
- eine Betriebs- oder Berufshaftpflichtversicherung mit mindestens einer Million Euro Deckung je Versicherungsfall.
Für die Nutzung der Bezeichnung „openDesk Approved Sovereign Service Provider“ fallen jährlich 18.000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer an. Das ist die Gebühr für das Kennzeichnungsrecht und den offiziellen Partnerstatus, nicht für die Software selbst. Die benötigten openDesk-Lizenzen müssen zusätzlich über einen Official Distributor bezogen werden.
Approved System Integrator
Der Approved System Integrator, kurz ASI, übernimmt Beratung, Migration, Integration, Betrieb und Support rund um openDesk. Er kann sowohl On-Premises- als auch SaaS- und Managed-Service-Szenarien abdecken.
Anforderungen
Noch deutlicher wird der Anspruch beim Approved System Integrator. Gesucht werden Partner, die bereits heute über tiefes Open-Source-Know-how, Kubernetes-Erfahrung und belastbare Projektreferenzen verfügen. Gefordert werden unter anderem:
- mindestens fünf Mitarbeitende mit LPIC-3-Zertifizierung,
- mindestens drei Mitarbeitende, die seit wenigstens fünf Jahren regelmäßig zu Open-Source-Projekten beitragen,
- mindestens fünf Mitarbeitende mit drei Jahren Erfahrung im Betrieb produktiver Kubernetes-Cluster,
- mindestens fünf Kubernetes-Zertifizierungen aus CKA, CKAD oder CKS,
- mindestens fünf realisierte openDesk-Projekte oder vergleichbare Referenzimplementierungen,
- Migrationserfahrung mit openDesk oder relevanten Komponenten wie Nextcloud oder Univention,
- mindestens drei Referenzen aus Behörden, KRITIS oder anderen regulierten Branchen,
- ISO/IEC 20000-1 sowie, bei eigenem Hosting, ein ISMS nach ISO/IEC 27001 auf Basis IT-Grundschutz,
- NIS2-Compliance, definierte Supportleistungen, DSGVO-konforme Auftragsverarbeitung und ein Ticketportal,
- eine Betriebs- oder Berufshaftpflichtversicherung mit mindestens einer Million Euro Deckung je Versicherungsfall.
Auch für den ASI-Status werden jährlich 18.000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für das Kennzeichnungsrecht fällig. Die openDesk-Softwarelizenzen sind darin ebenfalls nicht enthalten und werden zusätzlich über einen Distributor bezogen.
Reseller
Die Reseller-Stufe ermöglicht privatwirtschaftlichen IT-Dienstleistern, eigene Angebote auf Basis der openDesk Enterprise Edition aufzubauen, ohne die besonderen Eignungskriterien der Approved-Partner erfüllen zu müssen.
Eine eigene Teilnahme am Open-House-Verfahren ist nicht erforderlich. Betreuung, Konditionen und Bezug der openDesk-Subskriptionen laufen über einen Official Distributor. Für viele IT-Dienstleister dürfte das der mit Abstand einfachste Einstieg in die openDesk-Welt sein. Im Gegenzug bleiben sie bei Subskriptionen und Betreuung allerdings vom gewählten Distributor abhängig.
Fazit
Betrachtet man die Zielgruppe von openDesk, überrascht die hohe Messlatte eigentlich nicht. Wer Behörden, KRITIS-Unternehmen und andere regulierte Organisationen bedienen möchte, muss Sicherheit, Betriebsfähigkeit und fachliche Kompetenz belastbar nachweisen können.
Trotzdem dürfte für viele IT-Dienstleister zunächst nur die Reseller-Rolle realistisch sein. Die Stufen ASSP und ASI wirken eher wie ein langfristiges Zielbild als wie ein Partnerstatus, den man innerhalb weniger Monate nebenbei erreicht.Dafür braucht es vorhandene Zertifizierungen, spezialisierte Fachkräfte, belastbare Referenzen und dauerhaft auditfähige Prozesse. Hinzu kommen die jährliche Kennzeichnungsgebühr und die Verpflichtung, openDesk aktiv anzubieten und zu vermarkten.
Unterm Strich setzt ZenDiS mit dem Partnerprogramm klar auf Qualität statt auf Masse. Das sorgt zwar für hohe Einstiegshürden, erhöht aber gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden auf erfahrene und qualifizierte Partnertreffen. Ob sich der Aufwand lohnt, muss letztlich jedes Unternehmen für sich bewerten. Klar ist aber auch: Wer zu den offiziell ausgezeichneten Partnern gehören möchte, muss dafür spürbar investieren.
